| Zum Nachdenken |
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Wen
soll ich senden? |
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| Das Jesajabuch gehört zu den großen prophetischen Schriften des AT. In seiner heutigen Form liegt es seit dem 2. Jahrhundert vor Christus vor und enthält Schriften von vermutlich drei Verfassern, die des Jesaja, einem Propheten des 8. Jahrhunderts (Kapitel 1 - 39), dann die des Deutrojesaja, dem 2. Jesaja, der im 6. Jahrhundert gegen Ende des babylonischen Exils schrieb (Kapitel 31 - 55) und die des 3. Jesaja, Tritrojesaja, aus etwa der gleichen Zeit (Kapitel 56 - 66). Diese Männer stehen in der großen Linie der prophetischen Verkündigung, die, in vielen Kulturen vorkommend, den Glauben Israels maßgeblich prägte, aufrüttelnd, mahnend, die Wirklichkeit deutend, weitsichtig, tröstend, wegweisend. Propheten sind wache, glühende Menschen, von Gottes Wahrheit gepackt, leidenschaftliche Zeugen im Dienst des Lebens. In
Kapitel 6 dieses Bibelbuches lesen wir von der Berufung des Jesaja. Eines
Tages geht ihm die Größe und Heiligkeit des lebendigen Gottes
auf, und ein heiliger Schrecken fährt ihm in die Glieder. Auf sich
selbst sehend, all das Unheilige und Unheile da, fühlt er sich verloren.
Doch dann erlebt er glühend, wie er ganz von Gott angenommen ist.
Und als er Gottes Stimme rufen hört: "Wen soll ich senden? Wer
wird für uns gehen?", antwortet Jesaja: "Hier bin ich.
Sende mich." Und du, für wen gehst du? Und ich, für wen geh ich? Wir alle sind auf den vielen Wegen durch die Tage so schnell vergesslich und ablenkbar. Manch einer mag denken, er wüsste die Antwort auf die Frage selbst nicht mehr. Aber was in uns lebendig ist, weiß die Antwort schon, vielleicht nicht mit Worten, vielleicht nicht umfassend, aber tatsächlich doch, praktisch, als Reaktion von Sinn und Herz und Haut. Er ist nicht so schwer, dem auf die Spur zu kommen. Fragen wir uns selbst. Für
wen geh ich? Wer sendet mich? Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht? (Jes 55,2) Es
ist nicht zu übersehen, wenn wir kaufen können und kaufen, blüht
die Volkswirtschaft, wenn nicht, wird sie krank. Lahmt der Handel, stagnieren
die Investitionen, kollabiert leicht das ganze System. In weiten Bereichen
beherrschen Markt und Wirtschaft unser Leben. - Die Regale sind voll.
Wir haben die Wahl. Nicht nur die Wahl zwischen 40 Sorten Käse, Obstsorten
und Weinen aus aller Welt, - die auch. Wir haben hierzulande nicht nur
die Wahl. Wir müssen auch ständig wählen. Oft haben wir
die Qual der Wahl in nie da gewesener Menge. Ständig sind wir umworben
von Herstellern, Versicherern und sonst wem. Irgendwie sind wir viel umworbener,
als es menschlich zu uns passt. Wir sind potentielle Kunden. Hilflos und
ohnmächtig in so Vielem, sind wir als Kunden Potentaten, mächtig
umworben und potentiell mächtig. Zu
denen, die um den Menschen werben, gehört auch Gott. Die Texte der
Bibel sprechen oft davon. Da heißt es im Buch des Propheten Jesaja,
einem Text vor über 2500 Jahren entstanden in der Endzeit des babylonischen
Exils: "Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Auch wer kein
Geld hat, soll kommen. Kauft Getreide und esst, kommt und kauft ohne Geld,
kauft Wein und Milch ohne Bezahlung. Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch
nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt
macht? Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen... Neigt
euer Ohr mir zu und kommt zu mir, hört, dann werdet ihr leben"
(Jes 55, 1 - 3). Humorvoll sagte Papst Johannes Paul I. das in einer Ansprache. "Einmal wollte einer ein Auto kaufen. Der Händler redete auf den Mann ein: Schauen Sie, welche Leistung dieser Wagen bringt. Sie müssen ihn gut behandeln: Super in den Tank, und gutes Öl fürs Getriebe.' Der andere aber entgegnete: Ich kann weder Benzin noch Öl riechen. In den Tank werde ich Sekt gießen und das Getirebe werde ich mit Marmelade schmieren.' Darauf sagte der Händler: 'Machen sie, was Sie wollen. Aber beschweren Sie sich nicht, wenn Sie mit Ihrem Wagen im Graben landen.'" Wir haben die Wahl, ob wir wollen oder nicht. Wir müssen uns wirklich immer wieder fragen: bei dem, was ich mir gönne, was ich mir leiste: Was kauf ich? Und warum das? Für welchen Preis? Und wer zahlt den? Was handele ich mir da ein? Und ist es das wert? Ist es mir das wert? |
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