| Zum Nachdenken |
|
Wie soll das geschehen? |
![]() |
|
| Es gibt zahllose und wunderbare Marienbilder aus den verschiedensten Epochen und Ländern dieser Erde. Und viele Lieder haben uns vielleicht Lob und Größe und Schönheit Mariens, der Gottesmutter und Mutter der Kirche ins Herz gesungen. Das in den Evangelien von Maria gezeichnete Bild ist viel sparsamer. Ohne den Gründen für Beides hier nachzugehen, wäre es so wichtig, das Eine zum Andern hinzu zu gewinnen und wertzuschätzen - die sparsame neutestamentliche Zeichnung und die in der spiri-tuellen christlichen Tradition geschauten Bilder - ohne sich in ein gedankliches Gegeneinander der beiden Weisen zu verrennen oder gar zu verlieren. Die neutestamentlichen Bilder Mariens sind sparsam gezeichnet und lassen vieles offen. Da sind nur wenige Szenen. Und noch viel weniger als Szenen gibt es von Maria überlieferte Worte. Die da sind, haben um so mehr Gewicht. Es sind nur vier Stellen, an denen wir Maria selbst sprechen hören. Um so bemerkenswerter und bedeutsamer, das zwei von ihnen Fragen sind, die Maria fragt. Die Frau des Magnificat war zuerst eine Frau, die eine Frage hatte und die sie gefragt hat. Lukas zeichnet in seinem Evangelium das Bild von der Verkündigung des Engels an Maria. Maria erfährt Gott als den, der sie ganz und gar anspricht und in Anspruch nehmen will. Wenn Gott spricht ist das immer Botschaft, hier überbringt sie ein Engel. Und Maria erschrickt. Dies Erschrecken, das Tremendum, das Zittern, gehört zu den fundamentalen Kennzeichen des großen Gotterfahrens in allen Kulturen. Da ist Wunderbares und Unheimliches. Und auch das ist wunderbar: Maria in ihrem Hören und Wahrnehmen verstummt nicht angesichts des Ungeheuerlichen. Sie geht gnadenvoll in die Gotteserfahrung hinein wie in eine Beziehung und sie verschweigt sich nicht. Sie ist da und sie fragt. Dann hört sie wieder hin. Ich weiß nicht, was sie verstand von dem, was sie hörte. Aber es war genug, das sie ihr "ja" und Einverständnis sagte und sie Mutter Jesu, des Erlösers, und ihr Leben zu seinem Mutterboden und ihre Sprache ihm zur Muttersprache wurde, wie das auf ewig einzig ist. Wir
sind nicht Maria, wir sind - verbunden im Menschsein - doch jede und jeder
anders einzig. Aber was da geschah und erzählt wurde, ist über
das Einzigartige hinaus Grundmuster eines menschlich und geistlich fruchtbaren
Lebens. "Wie soll das ge-schehen?" Das mit Leib und Seele fragen
zu lernen, öffnet den Raum für das Leben und den lebendigen
Gott. |
||