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Wie lange noch.... ? (Psalm 13)

Stuttgarter Psalter

Vor 2200 Jahren etwa lag das biblische Buch der Psalmen fertig vor. Viele Lieder oder Teile von ihnen sind bis zu 3000 Jahre alt, stammen aus der Königszeit des David oder der Zeit des babylonischen Exils. Wann aber der Psalm 13 entstanden ist, lässt sich nicht sagen. Seine Frage ist eine zeitlose Frage, besser gesagt, eine Allzeitfrage. Ganze zwölf Zeilen ist er lang, fünf von ihnen sind Fragen, drängende, notvolle Fragen.
"Wie lange noch, Herr, vergisst du mich ganz?
Wie lange noch verbirgst du dein Gesicht vor mir?
Wie lange noch muss ich Schmerzen ertragen in meiner Seele,
in meinem Herzen Kummer Tag für Tag?
Wie lange noch darf mein Feind über mich triumphieren?"

Der zweite Psalmteil ist dann eine Bitte um Leben, in seinem dritten Teil hat das Vertrauen wieder Raum und Wort gefunden. Das Auffallende, Wichtige an diesem alten, zahllose Male in allen Jahren und Jahrhunderten gebeteten Psalm ist nicht die Klage. Wen würde die wundern? Das Auffallende ist das durch alles durchgetragene Gespräch, in dem alles und alle Fragen Recht und Platz und Raum haben. Nichts, was den Beter angeht, bleibt da außen. Und wenn es auch manchmal wie ins Gesicht geschrieen scheint, dass der Beter doch jetzt nicht sehen und erkennen kann. Da ist keine Abwendung.

Da ist alles Beziehungsgeschehen. Beziehungen hat man nicht, sondern man lebt sie. Sie wollen gepflegt sein, nicht benutzt. Auch wenn wir das Geheimnis eines Andern, seine Person nie ganz erkennen und ermessen können und oft ins Dunkle schauen, schauen wir darauf hin. Keiner hat den Gedanken oder das Fühlen eines Andern je im Orginalton gehört, wir hören nur das, was Ausdruck wird. Manchmal bitten wir darum, fragen wir danach. Manchmal möchten wir in unserm Fragen nur ganz angenommen sein. Das ist noch entscheidender als jede andere Antwort, die man uns geben könnte.
Und dieser Beter aller Zeiten hat das wohl erlebt, denn nicht die Antwort, die wir nicht lesen in seinen Versen, sondern der Raum der wirklichen Beziehung, in die sein Fragen geht, lassen ihn neu Vertrauen und Zuversicht finden. "Singen will ich dem Herrn, weil er mir Gutes getan hat."

Wenn ich frage, wohin frage ich dann? Bleibt mein Fragen ein "Mich - fragen"? Ist mein Fragen Beten? Ist es das schon einmal gewesen? Ist mein Fragen auf dem Weg Beten zu werden? Steht es in der Weite einer solchen Beziehung und Wirklichkeit? Kenne ich Menschen, für die das so ist? Menschen, die ihre Fragen stellen und Wert finden in einer Zweifellosigkeit, die um mehr weiß als manche ausbleibende Antwort. Wie erlebe ich diese Menschen?

Wo ist für mich heute die Stelle, an der ich rufen möchte: "Wie lange noch...?" Viel-leicht ist es an der Zeit, es zu sagen, es zu rufen, mit meinem ganz persönlichen Lebensinhalt aufgefüllt - "Wie lange noch...? - und darin eine Zuwendung zu Gottes mir vielleicht ganz dunkel gewordenem Antlitz zu wagen, nur noch Person zu Person, alles übrige Beiwerk zurücklassend.

 
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