| Zum Nachdenken |
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Hat Gott wirklich gesagt...? (Gen
3, 1) |
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| Es
beginnt erschütternd. Das habe ich nicht gewollt, aber ich will ehrlich
sein. Dabei soll das Ganze eine Ermutigung werden, in den Fragen der Bibel
eigenes Fragen zu entdecken und es im Kontext der Heiligen Schrift neu zu
wagen, eine Ermutigung, mit mehr Mut den Fragen des Lebens zu begegnen,
sich von ihnen provozieren zu lassen und mit ihrer Hilfe weiter zu fragen. |
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| Und
dann steht einer vor der ersten Frage, die in der Bibel aufgeschrieben ist.
Da fragt nicht Gott, da fragt nicht ein Mensch. Die allererste Frage, die
wir in der Bibel finden, ist die Frage des Versuchers: "Hat Gott wirklich
gesagt....?" Mit dieser Frage, dem Gift darin, öffnet sich die
Tür aus dem Paradies heraus. Das ist erschütternd. Und der Mensch,
Eva, nimmt die Frage auf, lässt sich auf dieses Gespräch mit dem
Versucher ein, entgegnet ihres, hört aber weiter zu, tut schließlich,
was verboten war, und verliert alle ursprüngliche Unschuld.... und
mit ihr wir alle. Und ich bin in ein Dilemma geraten. Ich wollte das Fragen loben und zeigen, wie es gut sein kann. Aber hier wird gleich zu Anfang die Grenze berührt. Es ist wohl wich-tig, das zu sehen und von innen her zu wissen und zu sagen: es gibt eine Grenze fürs Fragen. Nur hätte ich das gern nicht an den Anfang gesetzt (und habe diesen Text auch erst nach andern Texten zu andern Fragen aufgeschrieben). Es gibt eine Grenze. Es gibt Momente im Leben - jedem Leben wäre zu wünschen, dass es sie kennt - die dürfen wir nicht hinterfragen. Soviel ich im Leben schon ge-fragt habe, es gibt Momente, die werde ich nie befragen, denen werde ich mich nie mit dem Instrumentarium der Analyse nähern. Ein Augenblick, in dem wir Wahrheit sa-hen, oder in dem sich uns die Liebe entdeckte, oder in dem wir das annahmen, was unsere Lebensberufung ausmacht. Das Geheimnis darin darf man nicht ungebührlich berühren und sich auf eine Diskussion einlassen. Fragend hineingehen darf man. |
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Aber
nun! Eva hat sich von der Frage zum Gespräch verleiten lassen und
dem Zweifel Einlass gewährt. Was soll man da tun? Man kann ja, wenn
man sich verlaufen hat, wieder zurücklaufen. Aber wenn man sich verfragt
hat, lässt sich das nicht zurück-nehmen. Dann kann man nur weiterfragen
irgendwie.....Die Frage ist: wie?
In Martin Bubers "Erzählungen der Chassidim" gibt es eine Geschichte, die uns er-zählt, wie denn weiterzufragen wäre. Rabbi Levi Jizchak erhält den Besuch eines sehr gelehrten Mannes, der sich darauf verstand "zu disputieren und seine rückständigen Beweisgründe für die Wahrheit seines Glaubens zuschanden zu machen". |
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Der
Rabbi lässt sich nicht ein auf diese Art des Fragens, steigt nicht
ein in das Spiel von Disput und Analyse. Buber schreibt: "Als er
die Stube des Zaddiks betrat, sah er den mit einem Buch in der Hand in
begeistertem Nachdenken auf- und niedergehen. Schließlich blieb
er stehen, sah ihn flüchtig an und sagte: vielleicht ist es
aber wahr'. Der Gelehrte nahm vergebens all sein Selbstgefühl zusammen
- ihm schlotterten die Knie, ... so furchtbar war der schlichte Spruch
des Zaddiks anzuhören."
Wenn es aber wahr ist? - Bert Brecht hat in seinem Gedicht die für mich in dieser Hinsicht so wichtige Frage zum Weiterfragen aufgeschrieben: "Wie handelt man, wenn man euch glaubt, was ihr sagt? Vor allem: wie handelt man?" Wenn wir also alle nicht mehr zurück können, müssen wir irgendwie gut lernen weiterzufragen. |
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