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Johanna Domek . Ein Kloster am Rand von Salvador-Bahia In der Frühzeit des Mönchtums, im dritten und vierten Jahrhundert nach Christus, zogen die Altväter und Mütter in die Wüste, die ihnen als Ort der Einsamkeit, Unwirtlichkeit und als Wohnstatt der Dämonen galt. Glühend in Gebet und Beharrlichkeit, konfrontiert mit sich selbst, mit der eigenen, einsamen, unbemäntelten Wahrheit und mit allem, was darin west, rangen sie den Dämonen ihren Ort ab und machten ihn zum Ort des Gotteslobes. Sie erkämpften geduldig von der Wüste den Garten, Sinnbild der geordneten Schöpfung, die Gott verherrlicht, das Leben nährt und gedeihen läßt: eine Wohnstatt des lebendigen Gottes und seiner Liebe mitten in aller Kargheit und Anfechtung. Die Wüsten sind zahllos und, weltweit allerorten zu finden, manchmal gut verborgen hinter Zäuneri und ähnlichem Schutzwerk. In Brasilien, einem in all seiner natürlichen Schönheit faszinierenden Land, sah ich sie sehr offen liegen, bloßgelegt unter dem Himmel. "Wüsten" sind zum Beispiel die Favelas, die Elendssiedlungen am Rand der Städte mit den vielen Bordells zur Straßenseite hin. In Rio de Janeiro fand ich, mit nur einer Straßenbreite dazwischen, eine Favela unmittelbar gegenüber dem Sheraton- Hotel mit seinen stillen Plätzen und noblen Swimming-Pools. Ein Kontrast, der die Schmerzgrenze weit übersteigt - Wüsten! Im Nordosten Brasiliens wiederum beeindruckte mich das dürre Land weit abseits vom Meer... Brasilien ist riesig, ich habe nur ein wenig gesehen bei einer Reise zu einigen Klöstern.
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Die
kleine Gruppe der Gründerinnen ist inzwischen auf die Zahl von zwanzig
Schwestern angewachsen. Das
Wichtigste ist ihnen nach der Regel des heiligen Benedikt, die Tagzeiten
zu beten, Gott zu suchen und ihn zu verherrlichen in allen Dingen und Umständen,
betend in unbezwingbarer Geduld. Und gegenwärtig zu sein in der Wüste
der Favela.
Alles Nötige ist da - immerhin jeweils etwa für eine Woche. Keine Kundschaft, die irgendwelche Sachen kaufen könnte, haust da rundherum. Es ist keine Kleinigkeit, sich hier den Unterhalt zu verdienen und das Leben Woche für Woche irgendwie hinzukriegen. Die Leute ringsum kennen sattsam nur die Armut, die sich in manche blanke Not, aber auch in einen ungeheuren Lebenswillen hüllt wie in ein Kleid und darin tanzt und singt in Rhythmen und einer Musikalität, in der ich nicht einmal träumen kann. Und zugleich: eine Woche zuvor sind in dem Viertel zwei Jungen einer Familie verschwunden und nirgends mehr zu finden... Vieles ist hier sehr brutal! All dieses Elend aufzuzählen, die Blöße und Armut dieser Menschen aufzuzeigen, verhindert im Grund die Scham vor der Erkenntnis, wozu Menschen alles fähig sind. Und das Lachen und die Fröhlichkeit, die ich dort so oft und lebendig erlebt habe, soll nicht unglaubwürdig werden
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Neben dem Kloster werden von den Schwestern drei kleinere soziale Projekte unterhalten (ebenfalls ständig in Finanzierungsdruck), mit denen sie begannen, als das Leben und Geben an der Klosterpforte ihre Möglichkeiten überrannte. Da gibt es eine Tagesstätte für 150 Kinder, deren Mütter irgendeiner Arbeit nachgehen, mit vier Mahlzeiten am Tag. In einigen Räumen werden Kurse für Erwachsene gehalten: Hilfe zur Selbsthilfe, von der Hygiene über Nahrungsfragen bis zu Handwerklichem und der Herstellung von Seifen und Salben. Eine sehr engagierte Sozialarbeiterin, die das Kloster einstellte, hilft den Leuten zudem auch dabei, mit Ämtern und Formularen zurechtzukommen, wie es eben ansteht. Und viel steht an. Und manches geht in die Wege zu leiten, wenn man weiß wie. Dann gibt es noch ein Haus inmitten der Favela, in ihm findet jeweils vormittags und nachmittags Schulunterricht für eine Gruppe von Kindern statt, ebenfalls mit einer Mahlzeit verbunden. Der Hunger ist für viele dieser Menschen ein wirkliches Problem, denn er kann nicht warten, bis sich allgemein wenn überhaupt - etwas zum Besseren ändert. |
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Im Klostergarten haben die Schwestern vor Jahren schon alle möglichen Obstbäume gepflanzt: Mangos, Mamau, Bananen, Keschua und anderes mehr. Das Ganze gefällt mir sehr, es ist weder übertrieben geordnet noch chaotisch - eben schön. Die "Fülle und das Nichts", ein wichtiges Thema spiritueller Tradition nicht allein im Christentum, wird da am Rand von Salvador-Bahia in ganz anderen Variationen, Kadenzen und Rhythmen gespielt, als sie mir bislang vertraut waren. Ich lerne. |
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Die Bäume haben ihre Wurzeln und nehmen ihre Kraft aus der Erde. Für ein Kloster und die Menschen darin reicht das nicht. Sie brauchen auch den Himmel und wagen ihn ganz erdverbunden am Rand der Stadt und ahnen selbst wohl nicht, wieviel Widerschein und Schönheit auf dem liegt, was sie versuchen. - Natürlich: Was wahr ist, gilt überall; was schön und echt ist, ist überall schön und echt und wert, in nächster Nähe gepflegt zu werden. Nur macht die Wüste dies besonders deutlich, etwa in den Liedern, die hier gewagt werden zu singen. Da möchte man die Kraft dieser Schwachheit hüten und ihr den Mut stärken, so zu leben, so gut es eben geht... Und von all dem willig fürs eigene Leben lernen. |
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Spenden
mit dem Stichwort "Salvador" können auf folgendes Konto
eingezahlt werden: Benediktinerinnen, Brühlerstr. 74, 50968 Köln,
Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt. |