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Sr. Klara Antonsh
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....und das fleischgewordene Wort

 

Eine andere Art Grundsteine sind die vier Evangelisten. Aus sehr feinem Japangold mit Haarseide auf dunkelgrünem Atlas angelegt, sind die Grundlinien nach der Zeichnung einer Goldschmiedearbeit auf der Rückseite der Staurothek aus Trier, St Matthias (um1220), gezogen.

Dazwischen steht etwas von dem Wort, um das es geht. Wort, das uns Leben zuspricht. Den Gipfel bildet der erste Satz des Johannesevangeliums. „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort“ (Joh 1,1). Von oben, wie wir sagen, von Gott ist alles ausgegangen, er umgreift die Welt und ist bis in die

 

Tiefen hinabgestiegen. Darum unten: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh 1,14). Das umschließt auch den Credosatz: Hinabgestiegen in das Reich des Todes, oder, archaischer ausgedrückt, die Höllenfahrt, dorthin wo die große Schlange haust. Links und rechts zwei Worte, die auf Lebenswegen, die auch für uns zwischen Licht und Dunkel, zwischen „Himmel und Hölle“ “ ausgespannt sind, Gottes Gegenwart uns zusagen: aus dem ersten Thessalonicherbrief: „Er, der Rufende, ist treu“ (5,24) und aus dem Gespräch Jesu mit der Samariterin am Jakobusbrunnen: „Ich bin es, der immer mit dir spricht“ (Joh 4,26). Er verstummt nicht, „denn wolltest du schweigen, Herr, wer würde dann

 

 

noch bestehen?“ (Ps 28,1), er spricht uns an und spricht uns Leben zu, immerfort.

Durch das, was abgebildet sichtbar wird in Wort, Bild und Stein, tut sich ein Raum auf als großer Zeitraum und ebenso weiter Raum der Geschichte in ihren Orten. Punkte, die hier angedeutet sind und zwischen denen sich so viele Linien und Verweise

 

ziehen lassen: z. B. Jerusalem, die Stadt mit ihrer nicht nur vorchristlichen, sondern auch vorisraelitischen Geschichte, die Kölner Stadt- und Klostergeschichte - dies alles macht den Raum aus, schafft den Heute-Raum, in dem für einen Augenblick hin und wieder die Fäden zusammenlaufen und die Wirklichkeit Gottes in unserer Welt sichtbar wird und vielleicht sogar, wenn auch als Stückwerk, abbildbar - und wenn durch zusammengefügte Fäden. So eng, wie das Netz der Verbindungen und Gedanken ist, sind sie nicht abzubilden, doch manchmal kann dem, der aufmerksam schaut, das Hineinverwobene zum Staunen werden. Und von außen, wie ein unsichtbares Spinnennetz, wird anderes darübergelegt und hineingesehen, wird die Zeit ihre Spuren hinterlassen.

 

 

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